Vorbestellen oder warten? Was die Rechnung tatsächlich ergibt
Eine Offenlegung vorweg, weil sie hierher gehört: Dieser Blog finanziert sich über Kaufempfehlungen. Ein Artikel, der in den meisten Fällen zum Abwarten rät, arbeitet gegen das eigene Geschäftsmodell — das gehört ins Intro und nicht ins Kleingedruckte.
Die Rechnung ist trotzdem eindeutig: Bei den allermeisten Titeln kostet Vorbestellen Geld und bringt wenig zurück. Es gibt Ausnahmen, und die stehen weiter unten.
Konkrete Preise nennen wir bewusst nicht: Sie unterscheiden sich zwischen Plattformen und Regionen zu stark. Was zählt, ist das Muster.
Der Preisverfall folgt einem Muster
Bei den meisten Titeln lässt sich der Verlauf grob vorhersagen:
- Die ersten Wochen: Vollpreis, gelegentlich kleine Nachlässe bei einzelnen Händlern.
- Nach etwa drei Monaten: Die erste spürbare Senkung, meist im Rahmen einer größeren Aktion.
- Nach etwa einem Jahr: Der Preis hat sich deutlich bewegt — und häufig erscheint eine erweiterte Fassung, die Zusatzinhalte bereits enthält.
Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird beim Vorbestellen fast nie mitgerechnet. Wer zum Start kauft und später Zusatzinhalte nachkauft, zahlt am Ende oft mehr als jemand, der ein Jahr wartet und die Gesamtausgabe nimmt.
Die Ausnahmen: Titel, die den Preis halten
Nicht jeder Titel folgt dieser Kurve. Einzelne Hersteller senken Preise über Jahre kaum — bei deren Titeln bringt Warten wenig.
Das lässt sich vorher prüfen: Sieh dir den Preisverlauf früherer Titel desselben Hauses an. Wenn deren Vorgänger nach drei Jahren noch nahe am Startpreis liegen, wird es beim neuen Titel nicht anders sein.
Was der Kauf zum Start zusätzlich kostet
Der Zustand zum Verkaufsstart
Das ist der Punkt, der über den Preis hinausgeht — und der wichtigere.
Umfangreiche Titel erscheinen regelmäßig mit Fehlern, die in den ersten Wochen und Monaten behoben werden. Wer zum Start kauft, spielt die schlechteste Fassung, die es je geben wird — und zahlt dafür den höchsten Preis.
Wer sechs Monate wartet, bekommt beides: einen niedrigeren Preis und ein Spiel, das funktioniert. Das ist das eigentliche Argument, nicht die Ersparnis.
Der Vorbestellerbonus
Prüf, was tatsächlich enthalten ist. Kosmetische Gegenstände, ein Ausrüstungsset, ein Zusatzauftrag — die meisten davon tauchen später in regulären Ausgaben wieder auf oder sind separat erhältlich.
Ein Bonus, der spielerisch nichts verändert, ist kein Kaufgrund. Einer, der einen echten Vorteil bringt, wäre eher ein Argument gegen den Titel als dafür.
Wann Vorbestellen die bessere Rechnung ist
Es gibt vier Fälle, in denen es sich rechnet:
- Preisgarantie. Manche Händler sichern zu, dass du den niedrigsten Preis bis zum Erscheinen zahlst. Das nimmt dem Vorbestellen das Risiko vollständig — vorausgesetzt, die Zusage steht in den Bedingungen und nicht nur im Werbetext.
- Frühzugang, der dir etwas wert ist. Wer ohnehin am ersten Tag spielen will, kauft Zeit — das ist eine legitime Entscheidung, nur eben keine wirtschaftliche.
- Limitierte physische Ausgaben. Sammlerausgaben sind nach dem Verkaufsstart oft nicht mehr oder nur teurer zu bekommen. Hier ist Vorbestellen tatsächlich die günstigere Variante.
- Kostenloser Rücktritt bis zum Erscheinen. Wo eine Vorbestellung ohne Kosten stornierbar ist, entsteht kein Nachteil.
In allen anderen Fällen zahlst du für Vorfreude — was in Ordnung ist, solange du es als das siehst.
Ein Wort zu Schlüsselhändlern
Angebote deutlich unter dem üblichen Preis kommen häufig von Wiederverkaufsplattformen. Dort verkaufen Dritte Aktivierungsschlüssel, deren Herkunft nicht immer nachvollziehbar ist.
Zwei Risiken gehören dazu: Schlüssel aus zweifelhafter Quelle können nachträglich gesperrt werden — dann ist das Spiel weg und die Zahlung meist auch. Und bei Käufen von Privatpersonen über solche Plattformen greift der übliche Verbraucherschutz nicht.
Prüf, ob du beim Plattformbetreiber selbst kaufst oder bei einem Drittanbieter — der Unterschied entscheidet darüber, an wen du dich im Problemfall wenden kannst.
Und beachte die Regionalbindung: Schlüssel aus anderen Regionen lassen sich teils nicht aktivieren. Das steht im Kleingedruckten, nicht im Angebotstitel.
Die Methode
- Preisalarm setzen statt vorbestellen. Leg deinen Wunschpreis fest und warte auf die Nachricht.
- Preisverlauf früherer Titel desselben Hauses ansehen — er sagt dir, ob Warten sich lohnt.
- Bei erweiterten Ausgaben rechnen, nicht beim Basisspiel: Was kostet der Gesamtumfang später gegenüber Basis plus Zusatzinhalte heute?
- Erst die ersten Tage nach dem Erscheinen abwarten. Berichte zum technischen Zustand kosten dich nichts und sparen im Zweifel den ganzen Kauf.
Wenn du trotzdem vorbestellst
Prüf die Stornobedingungen und ob dein Anbieter eine Preisgarantie gewährt. Bei digitalen Käufen: Das Widerrufsrecht kann erlöschen, sobald du der sofortigen Bereitstellung zustimmst — bei einer Vorbestellung liegt der Zeitpunkt in der Regel beim Erscheinen.
Häufige Fehler
| Fehler | Warum er dich trifft |
|---|---|
| Nur den Startpreis mit dem späteren vergleichen | Erweiterte Ausgaben enthalten Zusatzinhalte, die du sonst nachkaufst |
| Den technischen Zustand zum Start ignorieren | Du zahlst den höchsten Preis für die schlechteste Fassung |
| Den Vorbestellerbonus überbewerten | Kosmetische Beigaben tauchen später meist wieder auf |
| Bei preisstabilen Herstellern warten | Dort bringt es wenig — der Verlauf früherer Titel zeigt es |
| Preisgarantien aus dem Werbetext glauben | Maßgeblich sind die Bedingungen |
| Billige Schlüssel ohne Herkunftsprüfung kaufen | Gesperrte Schlüssel bedeuten Spiel weg und Zahlung meist auch |
| Beim Drittanbieter kaufen, ohne es zu merken | Es entscheidet, an wen du dich im Problemfall wendest |
| Die Regionalbindung übersehen | Schlüssel aus anderen Regionen lassen sich teils nicht aktivieren |
| Vorbestellen, um „sicher“ ein Exemplar zu haben | Bei digitalen Titeln gibt es keine Knappheit |
| Rabatte an der Preisempfehlung messen | Nur der 30-Tage-Tiefstpreis nach § 11 PAngV ist die gesetzliche Bezugsgröße |
Praktische Handlungsempfehlungen September 2026
- Preisalarm setzen statt vorbestellen — bei digitalen Titeln entsteht dadurch kein Nachteil.
- Preisverlauf früherer Titel desselben Hauses prüfen.
- Die Gesamtausgabe gegen Basis plus Zusatzinhalte rechnen.
- Die ersten Tage nach dem Erscheinen abwarten und Berichte zum technischen Zustand lesen.
- Bei Vorbestellung Stornobedingungen und Preisgarantie in den Bedingungen prüfen, nicht im Werbetext.
- Bei auffällig günstigen Schlüsseln Verkäufer und Region prüfen.
- Sammlerausgaben früh kaufen — hier ist Vorbestellen tatsächlich günstiger.
- Rabatte am 30-Tage-Tiefstpreis messen.
Fazit
Bei den meisten Titeln kostet Vorbestellen Geld und bringt wenig zurück — und die Rechnung wird noch deutlicher, wenn man sie richtig aufstellt: Nicht Startpreis gegen späteren Preis, sondern Basisspiel plus nachgekaufte Zusatzinhalte gegen die erweiterte Ausgabe, die es nach etwa einem Jahr gibt.
Das stärkere Argument ist aber gar nicht der Preis. Umfangreiche Titel erscheinen regelmäßig mit Fehlern, die erst über Monate behoben werden. Wer zum Start kauft, zahlt den höchsten Preis für die schlechteste Fassung, die es je geben wird.
Vier Ausnahmen gibt es: eine echte Preisgarantie in den Bedingungen, kostenloser Rücktritt, Sammlerausgaben — und der Fall, dass dir der erste Tag schlicht etwas wert ist. Das ist eine legitime Entscheidung, nur eben keine wirtschaftliche.
Quellen und weiterführende Informationen
- Preisvergleichsportale und Preis-Tracker — Preisverläufe einzelner Titel und früherer Titel desselben Hauses.
- Bedingungen des jeweiligen Händlers — maßgeblich für Preisgarantien, Stornomöglichkeiten und Widerrufsrecht bei Vorbestellungen.
- Verbraucherzentrale (verbraucherzentrale.de) — Hinweise zu digitalen Käufen, Schlüsselhandel und Widerrufsrechten.
- heise online (heise.de), Golem (golem.de) und GameStar (gamestar.de) — Berichterstattung zum technischen Zustand nach Verkaufsstart.
- Gesetze im Internet (gesetze-im-internet.de) — §§ 312f, 312g, 356 und 357 BGB sowie § 11 PAngV.
Haftungsausschluss
Allgemeiner Hinweis: Dieser Artikel auf zockdeals.de dient der allgemeinen Information und Orientierung. Die beschriebenen Preisverläufe sind Erfahrungswerte und keine Vorhersage — einzelne Titel und Hersteller weichen erheblich davon ab, und Preisentwicklungen der Vergangenheit lassen keinen sicheren Schluss auf künftige zu. Konkrete Preise nennen wir bewusst nicht, da sie sich zwischen Plattformen, Regionen und Aktionszeiträumen stark unterscheiden. Angaben zu Ausstattung, Vorbestellerinhalten und Erscheinungsterminen können sich bis zum Verkaufsstart ändern.
Zu Vorbestellungen und digitalen Käufen: Bei Verträgen über digitale Inhalte im Fernabsatz erlischt das Widerrufsrecht vorzeitig, wenn du der Ausführung vor Ablauf der Widerrufsfrist ausdrücklich zugestimmt und deine Kenntnis vom Verlust des Widerrufsrechts bestätigt hast; bei Vorbestellungen richtet sich der maßgebliche Zeitpunkt nach den Bedingungen des Anbieters. Prüf vor der Bestellung die Stornomöglichkeiten und ob eine zugesagte Preisgarantie in den Vertragsbedingungen steht — Werbeaussagen allein begründen keinen Anspruch. Digital erworbene Titel sind in der Regel kontogebunden, nicht übertragbar und nicht weiterverkäuflich; der Zugang kann von fortbestehenden Diensten des Anbieters abhängen.
Zu Schlüsselhandel und Verbraucherrechten: Bei Aktivierungsschlüsseln von Wiederverkaufsplattformen ist die Herkunft nicht immer nachvollziehbar; Schlüssel können durch den Rechteinhaber gesperrt werden, ohne dass ein Erstattungsanspruch gegen die Plattform besteht. Prüf vor dem Kauf, ob dein Vertragspartner der Plattformbetreiber oder ein Drittanbieter ist — bei Käufen von Privatpersonen gelten die Verbraucherschutzvorschriften nicht. Regionale Aktivierungsbeschränkungen können die Nutzung ausschließen. Bei Mängeln digitaler Produkte gelten die §§ 327 ff. BGB einschließlich Aktualisierungspflichten. Für Preisermäßigungen gilt § 11 PAngV mit dem 30-Tage-Tiefstpreis; §§ 5, 5a und 5b UWG untersagen irreführende Angaben, insbesondere zu zeitlicher Verfügbarkeit und Preisvorteilen. Dieser Blog nimmt an Partnerprogrammen teil; über gekennzeichnete Links kann bei einem Kauf eine Provision anfallen, ohne dass sich der Preis für dich verändert — bei einem Artikel, der überwiegend zum Abwarten rät, gehört dieser Zusammenhang ausdrücklich in deine Bewertung. Die redaktionelle Einordnung erfolgt davon unabhängig. Alle genannten Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber.
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